Für Interessenten eine bis vier  PREDIGT(en)                        

(Es ist nicht auszuschließen, dass ich auch mal den einen oder anderen Gedanken "übernommen" habe, ohne dies in jedem Fall ausdrücklich zu benennen.)  

Am 31. März 2014 endete mein Dienst im Pfarrsprengel Thale - 

seit dem 1. April 2014 bin ich Beauftragte für Springerdienste im Kirchenkreis Halberstadt.

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Gottesdienste  3. nach Trinitatis 2018

17. Juni:         10.15 Uhr Dingelstedt

 

Evangelium = Predigttext:                          Lukas 5; 1 – 11

P R E D I G T

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist. Amen.

Liebe Gemeinde,

ich weiß nicht, mit welchen Erwartungen sie in einen Gottesdienst kommen – ob ihnen die Atmosphäre und die Musik wichtig sind – ob sie Nachdenkenswertes hören möchten – oder Gemeinschaft mit anderen suchen  - was ihnen wichtig ist an einer Predigt

Mir ergeht es so, dass ich mir Ermutigung erhoffe – gegen alles, was mutlos, traurig oder wütend macht – dass ich mit mehr Lebensfreude gehen kann als ich gekommen bin.

Das Evangelium ist für mich so ein Beispiel – eine Erzählung, die Mut macht.

Dabei enthält sie ziemlich viel Unwahrscheinliches – Kinder könnten sagen: Das ist ja ein Märchen. Erwachsene würden sagen: Das ist Anglerlatein. Viel zu schön um wahr zu sein.

Nur der Anfang klingt realistisch: Petrus hat zusammen mit seinen Freunden die ganze Nacht hart gearbeitet – und am Ende blieb ihm nichts. Kein Fang, kein Erfolg, kein Geld – alles war vergeblich.

Solche Klagen höre ich oft und ich kenne sie auch von mir. Ich habe mir Mühe gegeben, aber es wurde nichts daraus. Ich habe Besuche gemacht und geredet, aber keiner hat richtig zugehört. Ich wollte etwas Gutes bewirken und wurde völlig missverstanden.

Ich kenne Kinder, die geben sich Mühe und lernen für eine Klassenarbeit - aber: Manchen fällt es eben schwer und außerdem haben die Lehrer die falschen Fragen gestellt – nichts.

Oder Eltern haben Kinder erzogen mit viel Aufwand und Einsatz und vielen Hoffnungen – nun sind sie groß und weit weg und lassen sich nicht mehr sehen. Alles vergeblich?

Erwachsene haben neue Berufschancen erprobt und sind gescheitert – berufliche und menschliche Enttäuschungen sind heute eher an der Tagesordnung als Erfolgsmeldungen.

Jemand hat Verantwortung übernommen in der Kirchengemeinde, aber niemand sagt „danke“ und es sieht nicht gut aus: Zu wenig Leute, zu wenig Geld ...

Damals saß  Petrus  am Morgen da und flickte die Netze wieder zusammen. Sie müssen gewaschen und gereinigt werden, damit es in der nächsten Nacht weitergehen kann. Und da kommt Jesus – ein ihm bis dahin unbekannter Mann. Der bittet darum, auf den See hinausgerudert zu werden.

Ich kann mir vorstellen, dass Petrus dazu gar keine rechte Lust hatte – schließlich war er müde und wäre sicher lieber schlafen gegangen, um sich von den Anstrengungen und der Enttäuschung zu erholen.

Doch er ist ein offenbar gutmütiger Mensch, also tut er dem Fremden den Gefallen – und hört zu, wie Jesus predigt, was er den Menschen am Ufer zu sagen hat.

Doch was dann kommt, geht ihm nun wirklich zu weit: Wirf deine Netze noch einmal aus, sagt Jesus – und das widerspricht allen Fischer – Erfahrungen: Nachts müssen die Netze im Wasser sein und nicht am Tage.

Und an dieser Stelle geschieht für mich das eigentliche Wunder dieser Geschichte: Petrus fasst Vertrauen – wider alle eigenen Erfahrungen sagt er: Auf dein Wort hin will ich es tun.

Auf dein Wort hin! Für mich ist das ein ganz starker Satz. Ich denke an Situationen, wo einer nicht mehr weiter weiß und weiter kann und dann kommt ein anderer und sagt ganz überzeugend: Versuche es doch noch einmal – es wird dir schon gelingen.

Mir fallen Kinder ein, die etwas Neues üben sollen – laufen – sich selber anziehen – später schreiben und rechnen und was weiß ich noch alles – und manchen fällt es eben schwer. Dann ist es gut, wenn einer da ist und Mut macht:

Versuchs noch mal, du kannst es! (Schwimmen und Valentin!) – Meist hilft das weiter – genauso wie das Gegenteil Lernen verhindert – wenn gesagt wird: Der/die schafft das sowieso nicht.

Das geht auch Erwachsenen so – dass sie enttäuscht sagen: Ich kann das nicht – das wird doch nichts - 

und auch dann hilft es, wenn der Richtige kommt und sagt: Ich traue dir das zu – versuch´s noch mal. Und notfalls noch mal und noch mal.

Einander Mut machen in schwierigen Situationen – das gehört zu dem, was wichtig ist in einer Gemeinde und für jedes Miteinander. Vor allem, wenn es nicht nur um Dinge und Sachen, sondern um Menschen geht.

Wenn es heißt: Aus dem da wird nichts – oder: Um die lohnt es sich nicht –

dann ist besonders wichtig, dass jemand eingreift und einlädt und verlockt: Versuche es doch noch mal.

Oder jemand hat eine Aufgabe übernommen und dann kommen skeptische Stimmen und Selbstzweifel: Kann ich das überhaupt? Werde ich es packen? Sind dann andere da, die sagen: Na klar, ich traue dir das zu!

Von Jesus wissen wir, dass er so mit Menschen umgegangen ist – auch mit denen, die von anderen längst aufgegeben worden waren – mit den schwierigen und ungeliebten – auch mit denen, die nicht besonders klug oder tapfer oder schön und bedeutsam waren.

Petrus war kein besonderer Mensch – er ist auch nach dieser Begegnung am Ufer kein Heiliger geworden und kein Held. Er hat Jesus vertraut – und das hat sein Leben verändert – weil sein Vertrauen diesmal nicht enttäuscht wurde.

Lasse ich mich von Jesus aus meinem Alltagstrott herauslocken? Habe ich den Mut,  mich für Veränderungen einzusetzen – in den Gemeinden, in den Kommunen, in der Gesellschaft – für mehr Gerechtigkeit – für diejenigen, die unter die Räder geraten – die nicht mithalten können, weil sie keine Beziehungen haben oder keine Kraft mehr?

Vielen – zu vielen – ist der Mut dazu vergangen – weil es ja doch nichts nützt. So ist es oft. Immer wieder erweisen Wege sich als Sackgassen und das tut weh.

Der Dichter Hemingway erzählt in seinem berühmtesten Buch von einem Fischer, allein auf dem Meer, hinter sich ein langes Leben; immer mit der vergeblichen Hoffnung auf den großen Fang seines Lebens. Doch als ihm der Riesenfisch ins Netz geht, wird der Erfolg von Raubfischen zunichte gemacht. Eine große Geschichte, die mit Hoffnung beginnt und mit Enttäuschung endet. Eine Geschichte, die mir bekannt vorkommt  - und zu der unser Predigttext das  Gegenstück ist.

Dazu fällt mir ein: Viele wollten schon vieles erreichen; mit Mut und Phantasie und Einsatz. Und am Ende blieben zerstörte Illusionen. Es macht mutlos, wenn die Erfahrungen über die Hoffnungen siegen.

 

Der Arzt Lukas hat die Geschichte von Jesus und Petrus und dem guten Fang sehr einladend erzählt. Er lädt ein zum Vertrauen – er ist selber ein Menschenfischer – kein Bauernfänger – er nimmt die Menschen ernst und macht ihnen nichts vor.

So beginnt es. Die ersten Nachfolger werden aus ihrem Alltag herausgerufen. Jesus begegnet da, wo nichts mehr erwartet wird und nichts mehr zu holen scheint. Er lädt ein zum Vertrauen  in seine Worte und Werte - damit das Leben neu werden kann.

Es ist schwer, immer neue Anfänge zu wagen. Zu oft enden derartige Versuche wie der bei Hemingways altem Mann auf dem Meer. Das kennen die meisten Menschen - die Zerstörung  zu vieler Hoffnungen haben verletzt - die Wunden sind noch frisch.

Petrus hat seinen Zweifel ausgesprochen - und dann hat er Vertrauen gewagt. Jesus braucht heute genauso wie damals Nachfolgerinnen und Nachfolger.  Er wollte Gerechtigkeit und Frieden für alle. Auch für diejenigen, die mitten unter uns unter die Räder geraten. Sie brauchen den Beistand von Menschen, die sich von schlechten Erfahrungen nicht ihre Hoffnungen nehmen lassen. Weil es doch immer wieder Wunder gibt.

Ich möchte aus dieser biblischen Erzählung lernen: Wenn ich mal wieder denke, es bringt nichts mehr und es lohnt nicht mehr und es nützt auch gar nichts  und ich kann das nicht und werde es auch nicht lernen

– dann möchte ich mich an Petrus erinnern – oder an ihn erinnert werden - der in aussichtslos scheinender Situation gesagt hat: Auf dein Wort hin, Herr, will ich es versuchen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.       Amen.

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Hakelgottesdienst

10. Juni 2018 um 15 Uhr

Dialogpredigt Angelika Zädow & Ursula Meckel

A:      Ist ja ganz schön komisches Zeug, was der Prophet Ezechiel da so zusammen träumt.

U:      Wieso? Das ist doch ein wunderbarer Traum. Aus Gott entspringt die Quelle des Lebens. Wasser für die Natur und die Menschen. Bäume wachsen und bringen Früchte, Fische können im Wasser leben – ist doch toll.

 (A zieht einen Schuh aus - U irritiert):    Was machste denn da??????

A:      Siehste den?

U:      Ich bin ja nicht blind  … Wirklich schön ist der allerdings nicht … und vor allem, was willste jetzt mit dem hier?

A:      Vor einer Woche stand der im Wasser. Da ist der Domschatz Halberstadt abgesoffen. Und wir haben versucht, die Schatzstücke vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen. Anschließend sah der anders aus als vorher – total versifft, weiße und braune Schmutzränder.

U:      Da müsst ihr halt mal putzen in dem Laden.

A:      Hahaha, was ich sagen will: Wasser ist nicht immer nur toll. Es kann auch bedrohen und zerstören. Denk nur an die Fluten vor 5 Jahren in unserer Region. Da hatten sicher viele auch Träume, aber Alpträume! Wie viel ist da kaputt gegangen -  und nicht nur ein Schuh, ganze Existenzen standen auf dem Spiel.

U:      Ja sicher, ich weiß. Wasser hat -  übrigens wie alles im Leben wie ich finde – auch eine beängstigende Seite. Aber dem Propheten geht es in seinem Traum ja um mehr als das Element Wasser. Ich denke, es ist eher wie ein Beispiel gemeint. Ein Beispiel, das von der Sehnsucht Ezechiels gespeist wird.

A:      Au maaaaan. Das hört sich aber kompliziert an. Also Ezechiel hat Sehnsucht.

U:      Ja, und zwar nach Jerusalem. Nach dem Tempel dort, der war nämlich sehr schön. Er selber, also der Prophet, war ja in Babylon.

A:      Stimmt, Ezechiel war ja wie so viele dorthin in die Gefangenschaft verschleppt worden.

U:      Und je länger die dauerte, desto größer wurde die Sehnsucht. Nach zu Hause, nach dem Tempel, nach den Gottesdiensten dort.

A:      Da träumt er diesen Traum. Der Tempel ist dort. Aber mehr noch. Von dort strömt Wasser aus dem Heiligsten. Aus dem Bereich, der Gott allein vorbehalten war.

U:      Genau. Ich finde das eine ganz wichtige Aussage. Den Tempel gab es ja so nicht mehr. Und dennoch träumt Ezechiel davon. Er träumt sozusagen die Zukunft, für die Gott selber sorgen wird – das ist jedenfalls seine große Hoffnung.

A:      Du meinst, das Wasser ist Symbol für die Güte Gottes, die verschwenderisch in die Welt hinein fließt. Und die sich nicht durch Zerstörung, Gewalt und alles Schwere des Lebens hindern lässt.

U:      So blumig würde ich das zwar nicht ausdrücken, aber ja, so ähnlich. Ich würde sagen: Im Leben jedes Menschen gibt es schwere Zeiten – es gibt Leid, Krankheit, Tod, Verluste – auch den Verlust von Freiheit, von Gerechtigkeit – es gibt ungerechte Machthaber, unmenschliche politische Systeme und vieles mehr – ABER: Gott wird nicht zulassen, dass diese Kräfte am Ende siegen. Er will menschenwürdiges Leben für alle.

A:      Was für eine Hoffnungsbotschaft. Gottes Güte, seine Kraft, seine Geduld fließen überall immer weiter und tiefer bis in alle Enden der Erde.

U:      Und überall, wo Menschen und Erde von diesem Gottesstrom erfasst werden, da verändert sich das Leben, wird heller und freundlicher.

A:      Klingt ja zu schön um wahr zu sein. Und wie lange dauert das so? Ich meine, bis die Welt wie ein Paradies ist, so wie es Ezechiel in seinem Traum erlebt?

U:      Naja, ein Paradies auf Erden werden wir alle nicht erleben. Wann immer das jemand versprochen hat hatte das in der Regel katastrophale Folgen für viele Menschen. Doch dass unsere Welt und unser Miteinander besser werden, dafür lässt sich schon was tun – von jedem von uns.

A:      Dass wir miteinander und füreinander sorgen können, damit kann ich etwas anfangen. Mit dem Wort „Paradies“ allerdings weniger.

U:      Wieso denn das? Wie Adam und Eva sorgenfrei leben -  also ich finde das prima.

A:      Naja, aber der Garten Eden war eingezäunt, also Platz beschränkt. Ezechiel aber träumt ja davon, dass die Begrenzung durch den Gottesfluss aufgehoben wird.

U:      Stimmt. Dazu passt auch die Jahreslosung. Kennste die noch?

A:      KLAR! - Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

U:      Gott gibt umsonst. Gott kommt umsonst, aber nicht vergeblich. Er unterläuft sogar Mauern und Hindernisse.

A:      Und lässt aus Sehnsucht und Traum Blüten der Hoffnung und Zuversicht wachsen.

U:      Er löscht den Durst nach Gemeinschaft und Versöhnung.

A:      Manchmal können wir das sogar schon jetzt sehen: hier am Hakel und in unseren Gemeinden.

U:      Für mich ist das auch immer eine Frage des Blickwinkels -  natürlich kann man klagen -  und darf das auch. Aber unsere Kirche mit den vielen Engagierten ist für so viele Heimat -  nicht nur für die Glaubenden.

A:      Vielleicht hast Du recht. Denn Blickwinkel und Haltung verändern die Sicht. Nicht dass alles rosarot schimmert. Aber so, dass das Gute die schlechten Erfahrungen zurecht rückt und ins Gleichgewicht bringt.

U:      Es müsste uns nur noch gelingen bei allen Aktivitäten auch von unseren Erfahrungen mit dem Glauben und mit Gott zu erzählen.

A:      Das wäre was: wenn wir miteinander zu einer Erzählgemeinschaft würden, die sich vom Strom Gottes mit reißen lässt -  wir würden wirklich zu einer ausstrahlenden Kirche.

U:      Da gibt’s so ein nettes Sprichwort der Kerzenmacher in Soweto: Es ist besser ein Licht anzuzünden als der Dunkelheit zu grollen.“

A:      Schönes Schlusswort 😊

Beide:        Amen.

 

 

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Trinitatis 27. Mai 2018

Dingelstedt

            Epistel = Predigttext:                       2. Korinther 13; 11 – 13

P R E D I G T

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Amen.

 

Liebe Gemeinde,

die Worte, die Sie eben gehört haben, sind regelmäßigen Gottesdienstteilnehmern vertraut - fast immer werden sie am Anfang der Predigt gesprochen: “Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.”

Es hört sich an wie sehr fromme Worte, ein dreifacher guter Wunsch wird ausgesprochen: Gnade, Liebe und Gemeinschaft kommen darin vor. Das klingt nach friedlicher und freundlicher Atmosphäre.

Weniger bekannt ist vermutlich, dass dieser Dreisatz am Ende eines eher unfreundlichen Briefes steht, den der Apostel Paulus nach Korinth geschrieben hat. Zwischen ihm und der Gemeinde dort war es zu erheblichen Auseinandersetzungen gekommen. Was Paulus vorher schreibt sind leidenschaftliche Ausführungen zu den inneren Streitigkeiten und persönlichen Verunglimpfungen, denen er ausgesetzt war.  Die Briefe lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Dennoch am Ende die “frommen Wünsche”.

Was so harmonisch klingt, hat Paulus wahrscheinlich mit großen Ängsten  geschrieben, denn der Konflikt hatte ihn und die Gemeinde fast auseinander gebracht.

Von Christen wird oft erwartet, dass sie besonders friedfertig sind und versuchen, jeden Streit zu vermeiden. Der Satz des Paulus “Seid eines Sinnes; haltet Frieden” könnte so ausgelegt werden.

Streit zermürbt, er frisst Kräfte, er kann kaputt und krank machen. Verständlich ist der Wunsch, Konflikten auszuweichen - nicht über sie zu reden - so zu tun, als gäbe es sie nicht. Noch dazu in der Kirche - wenigstens dort soll es anders zugehen als sonst.

 

Dabei ist bekannt: Wo immer Menschen zusammenleben, gibt es Streit; unterschiedliche Einsichten und Ansichten und Verhaltensweisen, die andere verärgern oder kränken oder benachteiligen. Dann müsste nach Lösungen gesucht werden, mit denen alle leben können - und das ist schwer. Einfacher ist es zu sagen: der Starke setzt sich eben durch oder wie der böse Titel eines Liedes heißt: “Du musst ein Schwein sein in dieser Welt.” Wer dem zustimmt, hat resigniert.

 

Häufig ist die Klage zu hören, dass es keine Streitkultur mehr gibt.

Streitkultur - nur ein Modewort? Kultur hat etwas zu tun mit der Pflege und Gestaltung des menschlichen Miteinanders. Und weil Streit und Meinungsverschiedenheiten zum Menschsein gehören ist es notwendig, auch da eine gute Form des Umgangs zu finden.

Konflikte werden nicht dadurch gelöst, dass an den guten Willen appelliert wird oder der jeweils Schwächere nachgibt bzw. dazu gezwungen wird. Es bringt auch nichts, Differenzen zu unterdrücken, beiseite zu schieben. Probleme gehören offen auf den Tisch - nicht unter den Teppich gekehrt.

Ich finde, das ist ein sehr passendes Bild. Stellen Sie sich vor, wie es weiterginge mit all dem Müll und Unrat und Staub unter dem Teppich. Das Ganze würde sehr bald im wahrsten Sinne des Wortes “zum Himmel stinken”.

Wenn Streit und Ärger ständig  verdrängt werden, kommt es zu einem Scheinfrieden, wo die Probleme weiter unter der Oberfläche schwelen und das Miteinander vergiften oder unmöglich machen.

Die Art und Weise wie Paulus mit der Problematik umgeht, empfinde ich es als ermutigend und einladend. Kirche und Gemeinde sind nicht eine Insel der Seligen und Friedfertigen - sie können Lernort sein für eine bessere, eine wirkliche Streitkultur.

Drei gute Wünsche, die zugleich Angebote und Auswege sind, setzt Paulus an den Schluss seines Briefes.

Als Erstes:

Die Gnade sei mit euch. Schade, dass das Wort Gnade heute ungebräuchlich geworden ist. Es klingt altmodisch oder wird verächtlich herabsetzend gemeint, wenn einer gnädig - also quasi von oben herab - behandelt wird. Der Umgangston und das Verhalten vieler sind zunehmend gnadenlos geworden - und das macht sich in unserer Gesellschaft erschreckend bemerkbar.

Gnade beinhaltet: Ich muss dem anderen nicht ein Leben lang Vorhaltungen machen und ihm oder ihr Verfehlungen auf immer und ewig nachtragen. Gnade weist auf Vergebung hin, die neue Wege und Horizonte eröffnet.

Die Liebe Gottes wünscht Paulus den Zerstrittenen als Zweites. Eine Liebe, die nichts verniedlicht oder verschweigt, eine Liebe, die ehrlich bleibt.

Der Geist der Liebe bringt Gegensätze ins Gespräch. Er schafft Einheit, ohne den jeweils anderen zu vereinnahmen. Die  Liebe Gottes beinhaltet: Den Mitmenschen nicht zu verurteilen; wohl aber ihn ernst zu nehmen.

Deutliche Worte sind wichtig, auch wenn sie schmerzen können. Entscheidend sind Geist und Absicht, die dahinter stecken. Will ich den anderen vernichten, zerstören, kränken, diffamieren - oder will ich um ihn ringen, damit es weitergeht für alle Beteiligten?

Es macht immer wieder traurig, dass es gerade unter Menschen, die sich nahe stehen, soviel Streitereien und Zerwürfnisse gibt - da, wo sie besonders schmerzen. Dabei ist es nur verständlich: Wo die Nähe am größten ist, sind es auch die Reibungspunkte. Das zeigt sich in Familien und unter eigentlich Gleichgesinnten. Auszuhalten ist das nur in der Gewissheit: Die Liebe hält uns zusammen; im Geiste dieser Liebe können  Menschen sich einander mit ihren guten und schlechten Eigenarten zumuten, sich gegenseitig tragen und ertragen.

Die dritte und letzte freundliche Zusage gilt dem Gemeinsamen:

Zu einer tragfähigen Gemeinschaft gehört die Auseinandersetzung - damit man sich nachher wieder zusammensetzen kann. Eine wirkliche Gemeinschaft zerbricht nicht an Unterschieden. Bei Paulus hat sich gezeigt: Der ausgetragene Konflikt hat die Beteiligten nicht auseinander, sondern zusammengebracht.

Mir gefällt gut und es gibt mir Hoffnung, dass es Menschen wie Paulus gab und gibt: Die kein Blatt vor den Mund nehmen - einen, der Köpfe zurecht rückt, ohne sie gleich abzureißen. Zuweilen wünsche ich sehnsüchtig solche Autorität wie die des Paulus - und dazu das Gegenüber, das sich Ermahnungen zu Herzen nimmt, ohne sich beleidigt abzuwenden.

Paulus hat schmerzlich erfahren müssen, wie wenig der Prophet im eigenen Lande gilt. Ihm war klar, dass es ihm nicht allein mit seiner apostolischen Autorität gelingen würde, das Zusammenbringen der zerstrittenen Gemeinde zu erreichen.

Darum haben seine letzten Worte ein so starkes Gewicht an Zuversicht und Hoffnung. Nicht Paulus konnte die Gemüter bewegen, sondern der Geist Gottes. In ihm kann sich jeder Mensch angenommen fühlen - mit seinen Stärken und seinen Schwächen. Wer weiß, dass er aus der Gnade lebt, wird nicht gnadenlos mit anderen umgehen.

Vor einem Monat haben wir das Pfingstfest gefeiert. Der Geist Gottes kommt zu den Menschen und bringt ihnen unerwartete Verständigungsmöglichkeiten. Der Geist Gottes weckt Mut und Phantasie, er führt über tote Punkte hinaus und kann abgestorbene Beziehungen zu neuem Leben erwecken.

Schlimm wird es, wenn nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander geredet wird. Beängstigend ist nicht das Vorhandensein von Konflikten, sondern wenn Gemeinschaft aufgekündigt wird.

Paulus hat sich und den anderen kritische Worte nicht erspart. Er hat es offen und ehrlich getan und sich damit verletzlich gemacht. Bei allem hat er die Gewissheit, dass er und die Gemeinde Gleichgesinnte sind und bleiben. Die Einheit der Liebe besteht nicht erst dann, wenn sich alle geeinigt haben, sondern schon vorher.

Gnade, Liebe und Gemeinschaft - ich glaube, dass diese drei guten Wünsche helfen können, den Alltag miteinander lebenswerter zu gestalten. Es geht nicht darum, unangenehme Wirklichkeiten nicht wahrzunehmen und einen Scheinfrieden vorzutäuschen. Es ist lohnend, im Geiste der Gnade und der Liebe nach gangbaren Wegen zu suchen.

Das gilt im persönlichen Miteinander ebenso wie im Umgang  innerhalb der Gesellschaft.

Kritikwürdige Wahrheiten offen zu legen bleibt belastend. Sie zu verschweigen ist auf Zukunft hin allerdings gefährlicher. Zum Beispiel bin ich dankbar dafür, wenn die Kirchen sich im politisch-gesellschaftlichen Bereich zu Wort melden und gerechtere Lebensverhältnisse einklagen. Das bringt nicht nur Freunde ein - es bleibt notwendig, um ein Sprachrohr für Verstummte und an-den-Rand-Gedrängte zu sein.

Eine Gesellschaft, die an nichts anderes glaubt als an Erfolg und Konsum hat keine Zukunft - und das muss immer wieder unüberhörbar gesagt werden.

Auch dabei ist entscheidend, welche innere Haltung dahinter steht. Bei Paulus heißt es: “Lasst euch Zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, seid friedsam. So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.”

Ich finde es schön und hoffnungsvoll, dass Streit so ausgehen kann - neue Möglichkeiten des Lebens miteinander und füreinander eröffnet. Und so wünsche ich uns:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.

Amen.

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Pfingsten 20. Mai  2018

        9.30 Uhr Thale St. Andreas mit Abendmahl / 11 Uhr Bad Suderode

14 Uhr Kroppenstedt mit Konfirmation

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist.             Amen.

Liebe Festgemeinde,

vor wenigen Tagen sagte der Zehnjährige aus meiner Haus&Hof-Familie ziemlich enttäuscht zu mir: Pfingsten ist gar kein richtiges Fest – und hat damit ja auch irgendwie recht.

Es gibt keine Geschenke – wenn man nicht gerade Konfirmation hat! – es gibt kaum typischen Pfingstschmuck zuhause oder in der Kirche – und es gibt auch nichts Richtiges zu erzählen.

Weihnachten lässt sich beschreiben – Ostern auch – aber Pfingsten ist schwer zu schildern.

Fest des Heiligen Geistes: Geist und Geister sind eben in aller Regel unsichtbar und eher unwirklich.

Immerhin, mancher weiß, wie wichtig der gute Geist eines Hauses oder einer Gemeinde ist

- und mancher kennt die biblische Beschreibung von Pfingsten: Fremde kamen sich plötzlich näher und konnten einander verstehen – Feiglinge wurden mutig und Stumme konnten reden – und Unsichere wussten auf einmal wo es langgeht.

Wo es lang geht – wie es weiter geht – dies zu wissen ist enorm wichtig – für alle Menschen, egal in welchem Alter. Es gibt nahezu irrsinnig viele Wege und Möglichkeiten – die werden auch angepriesen und es gibt Verlockungen in jede Richtung.

Welcher Weg ist richtig für mich? Welchen Weg werde ich gehen, wie geht es weiter mit mir  – was wird aus jeder und jedem von uns?

Menschen, die nicht wissen, wo sie hingehören, sind schlecht dran. Ihnen fehlt Orientierung und damit Halt. Es ist gut und notwendig, dass jemand weiß, wo es entlanggehen könnte, was wichtig ist im Leben, wo eine oder einer hingehört.

 

Pfingsten – Fest des Heiligen Geistes – Beginn einer großen Veränderung – damals in Jerusalem vor ca. 2. 000 Jahren.

Erinnern wir uns:

Ein Häuflein verängstigter Jünger war zurückgeblieben und saß kleinlaut beisammen. Ihnen war der Inhalt ihres Lebens abhanden gekommen. Die Botschaft von der Auferstehung hatten sie zwar gehört, doch wohl noch nicht so recht verstanden, wie sollten sie auch.  Aber sie waren zusammengeblieben, obwohl  ihr Ansehen schwer gesunken war und die Massen ihnen nicht mehr hinterherliefen.

Dabeibleiben, zusammenbleiben, auch wenn mancher weggeht, auch wenn die Wertschätzung der Kirche sinkt. Ich glaube, das ist jetzt auch dran, um einen eigenen und richtigen Weg zu finden.

Damals zu Pfingsten hatte sich das Blatt gewendet, aus dem vermeintlich endgültigen Ende war ein neuer Anfang geworden; den scheinbar Kraftlosen wurde Kraft geschenkt; Heiliger Geist für Geistlose. Er begeisterte so, dass plötzlich Menschen zu reden anfingen, die es sich vorher weder getraut noch zugetraut hätten.

Manchmal hängt das Leben entscheidend davon ab, dass Menschen geistesgegenwärtig das Richtige tun. Diese Geistesgegenwart brauchen wir in unseren Gemeinden.

Es lässt sich leicht sagen: Kirche ist altmodisch und langweilig und sie stirbt ohnehin bald aus – (das ist mir schon zum Beginn meines Studiums vor 50 Jahren prophezeit worden J ) -

ich kann auch sagen: Ich wünsche mir eine lebendige Gemeinde und deshalb bringe ich meine Ideen und Vorstellungen und Phantasien ein –

probiere zusammen mit anderen etwas aus – suche nach neuen Wegen – und wenn einer in die Irre führt, suchen wir gemeinsam den nächsten.

Bedroht ist Kirche nicht durch Austritte oder den Verlust von Ansehen und durch Finanznöte. Bedroht ist sie, wenn der Geist nicht mehr spürbar ist, wenn sie geistlos  wird, wenn niemand mehr begeistert ist und niemand sich begeistern lässt!

Gottes Geist hält Hoffnungen und Sehnsüchte am Leben. Er befähigt dazu, den Mund aufzumachen und an Veränderungen zu glauben und sich für sie einzusetzen.

Damals haben Menschen sich in Bewegung bringen lassen. Gottes Geist kann auch uns heute helfen, geistesgegenwärtig zu leben – weder zu beschönigen, noch Welt- oder Kirchenuntergangsstimmung  zu verbreiten.

Vor einem Jahr feierten zehntausende Menschen vor Wittenberg den großen Kirchentag zum Reformationsjubiläum. Viele waren auch am Fernsehgerät dabei. „Du siehst mich“ war das Thema der vorangegangenen Tage.

Gott sieht uns Menschen – er sieht uns an, er macht uns zu angesehenen Menschen.

Angesehene Menschen wissen, dass sie wertvoll sind und das macht Mut, Lebensmut, Lebenskraft, stärkt das Selbstwertgefühl.

Kirchentag ist für mich und viele andere immer so etwas wie ein neues Pfingstfest: Menschen aus unterschiedlichen Gemeinden, Konfessionen und Ländern kommen einander nahe, verstehen sich, singen und beten und suchen nach neuen Wegen.

Eine Tageszeitung titelte: Der Kirchentag war spirituell und politisch – eine gute Beschreibung. Geistliches und Weltliches gehören ja untrennbar zusammen.

In seiner Predigt rief der südafrikanische Erzbischof Thabo Makgoba dazu auf, radikal zu sein im Verschenken der Liebe, um die Welt zu verändern und gerechter zu machen. Hass, Gleichgültigkeit und Intoleranz sollen nicht hingenommen werden.

Schön, dass es solche Feste gibt, die Mut machen in einer Zeit, in der viele Menschen nichts vom Glauben wissen oder halten.

Uns allen wünsche ich, dass Gottes guter Geist uns spürbar begleitet und führt und bewahrt – dass er tröstet und Geborgenheit schenkt – dass er ermutigt und Unruhe stiftet – dass er hilft, Fragen zu stellen und Antworten zu finden – dass er geistvolle und begeisterte Menschen aus uns macht, die auch andere begeistern können.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.       Amen.

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Festgottesdienst 1050 Jahre Deersheim

13. Mai 2018 um 10 Uhr

            Dialog                                                                                    A.Z. & U.M.

A:      Was für ein tolles Theaterstück! Da können wir uns die Ansprache sparen …

U:      Sparen? Das musste mir erstmal erklären!

A:      Was jetzt?

U:      Na, was das Theaterstück mit Paulus zu tun hat. ICH habe das nämlich nicht verstanden. Götter in der Welt -  Auferstehung – und irgendwo dazwischen wir.

A:      Naja, das Stück endet ja mit einer Frage an uns. Und zugegeben, es ist zunehmend einfacher, sich NICHT mit sich selber auseinander setzen zu müssen. Und stattdessen irgendwelchen angeblichen „Idealen“ hinterher zu laufen. Ob sie nun PC. Schönheit, Geld oder sonstwie heißen.

U:      Das ist mir aber erheblich zu moralisch. Was hast Du gegen Computer, Schönheit oder Geld? Ohne meinen PC und mein iPhon und all die anderen technischen Errungenschaften würde mir etwas fehlen. Es ist doch nicht  alles schlecht, was schön und praktisch oder einfach nur zum sich Erfreuen ist.

A:      Sag ich ja auch nicht. Ich liebe es ja auch, mal vor dem Fernseher abzuhängen oder schicke Klamotten zu tragen.

U:      Jaja, Du und Deine Miniröcke … Darauf haben mich schon mal Gemeindeglieder angesprochen.

A:      lacht – das wiederum finde ich ziemlich unpassend. Klingt nach erhobenem Zeigefinger, nach dem Motto: „Das trägt Pastorin nicht“.

U:      Und eine Superintendentin schon gar nicht! – Aber ehrlich: Über andere zu reden kann eben auch Spaß machen …

A:      Und lenkt so schön von sich selber ab. Womit wir wieder bei heute wären. Und bei dem, was unser Leben hält und trägt.

U:      Dann sag doch mal, was Dir wichtig ist.

 

A:      Gerne! Zunächst mal denke ich, Gott hat uns die ganze Welt geschenkt, damit wir sie genießen dürfen. Einfach klasse. Danach lebe ich. Das tue ich. Genießen, anderen und mir schöne Dinge gönnen. Dafür bin ich unendlich dankbar. Und zugleich macht mich das sehr bescheiden -  und mit einem alten Wort gesagt -  auch demütig: Wer bin ich eigentlich, dass mir das alles geschenkt ist?!

U:      Naja …

A:      Moment, das war noch nicht alles. Denn zu wirklich lebenswichtigen Fragen kann ich das alles nur sehr eingeschränkt brauchen. Mir ist die Gewissheit wichtig, dass in allem, was geschieht eine Kraft wirkt, die größer und mächtiger ist als alles, was Anspruch auf die Welt und die Gestaltung des menschlichen Lebens erhebt: Gott. Der wirkt in mir, in dir, in jedem Menschen. Oft unerkannt, sogar unbekannt, wie Paulus sagt.

U:      Ein bisschen erinnert mich das hier an Deersheim. Lange Zeit war es hier im Grenzgebiet bestimmt nicht einfach. Mit den Einschränkungen und vermutlich auch Repressalien. Man könnte darüber bitter werden.  … Denkt nach …

Stimmt schon, mein Glaube würde mir auch in sehr schwierigen Situationen helfen.

A:      Was genau ist das, was Dir dann hilft?

U:      Die Erinnerung daran, dass es weiter geht, auch wenn es mal so   aussieht als   ginge nichts mehr, als seien alle Wege verbaut. Ich habe in meinem Leben      schon schlechte Erfahrungen machen          müssen, aber eben auch sehr viele        gute. – Übrigens waren es          meist  Menschen, die mir weiter geholfen      haben – durch hilfreiche    Tipps, ein aufmunterndes Wort, freundliche Gesten   – oder einfach nur durch ihr Dasein und Dableiben  - und eben durch das   Vertrauen, dass Gott mich nicht im Stich lässt und mir die Kraft   gibt, die ich brauche.

A:      Ich fänds ja spannend mal zu überlegen, an welchen Orten wir denn heute als Paulusse und Paulinen hingehen müssten, um mit den Menschen über Fragen des Lebens, über Sinn und moderne Götterfiguren zu reden. Zum Fußballplatz vielleicht …

U:      NIE im Leben! Da kriegste mich nicht hin, außerdem wollen die da ganz sicher nicht über Kirche und Glauben reden.

A:      So meine ich das ja auch gar nicht. Ich dachte eher an Paulus. Der sagt doch „In Gott leben, weben und sind wir“. Wenn Gott also überall ist, auch beim Fußball, dann stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, als an Gott Glaubende da vorzukommen. Ich wüsste da schon was!

U:      Du immer mit Deinen abgefahrenen Ideen. Was haste ausgeheckt?

A:      Nichts! Nur etwas wahrgenommen. Das Weihnachtsliedersingen in der MDCC-Arena in Magdeburg muss großartig gewesen sein!

U:      Du meinst, wir müssten außerhalb unserer Traditionen nach Möglichkeiten suchen.

A:      Paulus ist schließlich auch auf den Marktplatz gegangen.

U:      Das machen wir doch auch gerade. Wir sind ja sehr bewusst nicht in die Kirche gegangen, sondern hierher – also dahin, wo sich heute Menschen zum Feiern treffen. Paulus jedenfalls wollte damals mit den Menschen darüber ins Gespräch kommen, was ihnen wichtig war.

A.:     Gerade in     kleinen Orten wie Deersheim gibt es dazu ja oft viele Gelegenheiten. Zum Beispiel hier im Dorfladen. Ein tolles Projekt. Da zeigen sich Gemeinschaftssinn, Engagement füreinander.

U.:     Und heute das Jubiläum  – hast Du gesehen, was hier für eine tolle Ausstellung gestaltet wurde? WOW! Was da alles vorbereitet wurde!

A.:     Jede Menge Möglichkeiten also über das Praktische zu den Fragen des Lebens zu kommen. Wäre das nicht ein echter „Mehrwert“, wenn beim entspannten Bier nach den Vorbereitungen ein Austausch möglich wäre? Über Dich und mich, über das was Du glaubst und Sie und ich. Über Götter oder zumindest die so tun, was wären sie.

U.:     Erinnerst Du Dich an den letzten Satz des Theaterstück?

A.:     Klar: „Wäre es nicht gut, wenn das hier nicht alles wäre? Und wenn        wir     nicht allein mit dem Erfolg oder Misserfolg unseres Lebens     dastehen      müssten?“

U.:     Das ist eine wirklich spannende Frage – was bleibt am Ende, was hat Bestand? Ich möchte die Freude an schönen Dingen bei- behalten. Denn das alles darf sein – aber es darf nicht alles sein.

A.:     Wer weiß, was Paulus dazu heute den Menschen in Deersheim zu sagen hätte.

U.:     Sicher das Gleiche wie damals denen in Athen: Er würde von dem           menschenfreundlichen Gott erzählen – und dass ich ihm begegnen kann in meinem Leben. Dass er eben nicht einfach auf einer Wolke im Himmel ist und da rum sitzt und Halleluja singt.

A.:     (lacht) Komische Vorstellung. Aber ernsthaft, Glaube ist schwer zu erklären und zu verstehen, finde ich.   

U.:     Stimmt, aber da fällt mir eine kleine Geschichte ein: Ein      Wissenschaftler      hatte sich für eine Forschungsreise in die Sahara     einen christlichen Araber   als Begleiter mitgenommen. Morgens und          abends sah er ihn beten. Da       fragte ihn der Forscher:

         „Was tust du?"

         „Ich bete."

         „Zu wem betest du?"

         „Zu Gott."

         „Hast du Gott jemals gesehen?"

         „Nein."

         „Hast du ihn schon mit deinen Händen betastet und gefühlt?"

         „Nein, auch das nicht."

         „So bist du ein Narr, wenn du an Gott glaubst."


         Am nächsten Morgen, als der Forscher aus seinem Zelt trat, rief er          den    Araber und sagte:  „Diese Nacht ist hier ein Kamel gewesen."

         In den Augen des Mannes blitzte es auf, als er fragte: „Hast du das         Kamel gesehen?"

         „Nein."

         „Hast du es mit der Hand berührt?"

         „Nein. Warum sollte ich?"

         Nachdenklich sprach der Araber „Du bist ein seltsamer Mann. Du   glaubst an    ein Kamel, das du weder gesehen noch berührt hast."

         „Irrtum!", entgegnete der Forscher. „Ich habe ja den Beweis: Die Fußspuren    des Kamels sind rings um das Zelt zu sehen."

         Da ging am Horizont strahlend die Sonne auf. Der Araber wies mit der    Hand zur Sonne und sprach: „Und darin sehe ich die Fußspur Gottes!"

A.:     Eine feine Geschichte!. Und wir wünschen Ihnen allen hier in        Deersheim,   dass Sie noch viele Spuren Gottes in Ihrem Ort und überhaupt auf unserer       Welt entdecken.

U.:     Und dafür fröhlich dankbar sein können.

Beide:        Amen.

 

Lied:           Kommt und singt das Lied der Freude …

siehe auch: https://www.kirchenkreis-halberstadt.de/kk/rueckblicke/2018/Deersheim-Jubilaeum.php

 

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14. Mai 2017 - 40 Jahre Ordination - Thale St. Andreas

   

                                      

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Gottesdienst 31. Oktober 2014

Wendegedenken – Reformation – Verabschiedung Pastorin Ursula Meckel

Liebe Versammelte,

heute vor 25 Jahren um diese Zeit war ich sehr viel aufgeregter als heute – in zweieinhalb Stunden würde hier in dieser Kirche eine Veranstaltung beginnen, von der niemand sagen konnte, wie sie ausgehen würde – wie viele kommen würden – ob es friedlich bliebe. Einige entschlossene Bürger/innen hatten eingeladen zu einem „Gebet für Land und Leute“ - … ein heute völlig harmloser Text, damals  staatsgefährdend gefährlich – die Handzettel wurden schnell entfernt, doch es hatte sich herumgesprochen.

Etliche sind jetzt hier, die damals auch dabei waren – um viele Erfahrungen reicher.

An diesen Reformationstag vor 25 Jahren erinnern wir.

Reformationstag – ein evangelischer Feiertag, den wir hier in Thale seit vielen Jahren ökumenisch begehen – so auch heute – ein zweiter Grund zur Dankbarkeit, weil das keineswegs überall selbstverständlich möglich ist.

Der dritte Anlass dieses Gottesdienstes: Nach 40 Jahren im kirchlichen Dienst werde ich verabschiedet - von den Kirchengemeinden und vom Kirchenkreis – entpflichtet vom Amt? – von der Pflicht zur Kür? – beziehungsweise verabschiede ich mich? - oder auch nicht?

Schaun wir mal.

Auf jeden Fall feiern wir jetzt einen Gottesdienst mit ganz viel Musik und dafür bin ich dankbar; dankbar allen, die ihn mit ausgestalten – und dazu gehören auch Sie alle hier, die zum Mitsingen eingeladen sind.

Dankbar bin ich vor allem dafür, dass wir uns versammelt haben im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Hilfe erwarten wir von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Chor + Gemeinde: Wo Menschen sich vergessen …

Gott, wir treten jetzt vor Dich mit unseren Erinnerungen, unseren Wünschen, unseren Befürchtungen und unseren Hoffnungen. Wir schauen zurück und nehmen Abschied – wir blicken nach vorn und haben Träume.

Ich möchte bewahren, was gut war in den vergangenen Jahrzehnten. Denn vieles war wunderschön, erfrischend, aufregend, überraschend neu – dafür danke ich, das will ich nicht missen.

Loslassen und bewahren - beides. Gott, gib mir den Mut, die Hände zu öffnen, um Altbekanntes loszulassen. Gib mir den Mut, die Hände zu öffnen und die Arme auszubreiten, um Neues, Unbekanntes zu begrüßen.

Gott, ich danke Dir, dass ich getragen bin von der Hoffnung, gehalten zu werden -  beflügelt von dem Glauben, dass Du Dich kümmerst - auch um mich. Begeistert von dem Glauben, dass Du da bist.

Du hältst die Zeit liebevoll in Deinen Händen. Du bist ewig. Gestern und heute und morgen. Kein Anfang, kein Ende. Die Zeiten kommen und gehen - Du bleibst und rufst zum Leben im Vertrauen auf Dich und Deine beständige Gegenwart. Du bist auch jetzt mitten unter uns. Das ist Grund, sich zu freuen – deshalb:

Jauchzet dem Herrn alle Welt!

Amen.

Chor + Bläser:     Psalm 100

Lesung = Prediger 3; 1 - 13                                   

Meine Hoffnung …

                Credo                                                        

Bläser:                 La nuit

PREDIGT-Einstieg

U.:     Sag mal bitte,  Angelika, findest Du nicht auch, dass das heute hier eine etwas seltsame Veranstaltung ist?

A.:     Wieso seltsam? Es ist ein schöner Gottesdienst in einer vollen Kirche mit aufmerksamen Menschen, viel Musik und guter Stimmung. Und weil aller guten Dinge drei sind, gibt es drei inhaltliche Schwerpunkte: Wende-Gedenken, Reformation und Deine Verabschiedung.

U.:     Wende-Gedenken und Reformation sind klar – aber meine Verabschiedung? Mein Dienst hier im Pfarrbereich endete schon vor sieben Monaten. Ich wohne weiter in der Gemeinde und gehöre zum Bläserchor und in der Stadt bleibe ich ebenfalls, sogar im Stadtrat. Und: Im Kirchenkreis und selbst darüber hinaus geht meine Arbeit weiter. Also was für ein Abschied?

A.: Kann es sein, dass Du Dich um einen Abschied drücken willst?

U.: mhm … Also, mein ältester Patensohn hat mir geschrieben: „Ruhestand KANNST Du gar nicht.“

A.: Weiche nicht aus! Kann es sein, dass Du Dich drücken willst vor dem Abschied? Weil das weh tut?

U.: mhm …

A.: Bisher hast Du das ja ganz geschickt geschafft – denn Dein Dienst im Pfarrbereich Thale endete ja bereits am 31. März – wie Du weißt…

U.: Und Du weißt: Jeder Abschied ist ein kleines Sterben.

A.: Gehts auch etwas weniger theatralisch? - Du weißt: Alles hat seine Zeit … steht doch so schön auf der Einladung: …

U.: Das ist wohl der Unterschied zwischen Theorie und Praxis - oder wie wir hier im Osten gesagt haben: Zwischen Marx und Murks. Ich weiß, dass ich mich dem stellen muss. Nur: Zum April hast Du hier eine neue Pastorin eingesegnet. Willst Du mich jetzt aussegnen? Das klingt so nach Beerdigung.

A.: Natürlich nicht! Aber z. B. entpflichten – Du MUSST jetzt nichts mehr tun, aber Du darfst noch – und Pastorin bleibst Du ohnehin (so lange Du es möchtest).

U.: mhm …

A.: Nun schwirre schon ab auf die Kanzel – oder hast Du nichts mehr zu sagen?

U.:   Na gut. J  Aber ich bleibe lieber hier unten – ich möchte ja nicht „von oben herab“ reden …

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist.                 Amen.

Liebe Anwesende,

gestern wurde ich am Telefon gefragt: „Freust Du Dich eigentlich auf den Gottesdienst morgen?“ und ich konnte ehrlichen Herzens sagen: „Inzwischen Ja! Ja, ich freue mich.“

Im April, als das eigentlich aktuell war, hätte ich das noch nicht gekonnt, denn es ist ja etwas dran, dass ich mich eigentlich irgendwie um diesen Abschied drücken wollte, weil eben jeder Abschied ein kleines Sterben ist und weh tut.

Heute ist das anders, weil nicht nur ein Lebensabschnitt zu Ende ging, sondern weil Neues, und für mich sehr Erfreuliches angefangen hat – und weil Wichtiges geblieben ist.

Loslassen und bewahren zugleich, Ende und Anfang.

Allerdings: Irgendwie lastet jetzt auf mir der Druck, ich müsse nun etwas ganz Bedeutsames und Kluges sagen – etwas zum Merken und Aufmerken – zum Abschied, der ja gar kein wirklicher Abschied ist. Denn es sind eben keine „letzten Worte“.      

Klar ist, ich bin nicht mehr die Pastorin von Thale, Warnstedt, Bad Suderode und Friedrichsbrunn – den Staffelstab im Pfarrbereich habe ich am Ostermontag weiter gegeben - aber ich bin und bleibe Pastorin und das gerne und bin dankbar für neue Herausforderungen und Aufgaben im Kirchenkreis und darüber hinaus – solange ich das kann und darf.

Normalerweise sitze ich unter den Bläser/innen – und das ist mir wichtig: Mitzublasen und vor allem Dazuzugehören. Ich möchte Teil einer Gemeinschaft sein, keine Einzelkämpferin. Aber heute gönne ich mir mal das Zuhören - dürfen.

Wendegedenken – Erinnerung an den Reformations-Abend vor 25 Jahren – damals wurden „Zeugnisse der Betroffenheit“ laut.

Ursprünglich wollte ich jetzt sagen, was mich heute betroffen macht. Dann ist mir noch rechtzeitig eingefallen, dass in unserem Land viel gejammert wird – und das meist auf sehr hohem Niveau. Das möchte ich nicht und habe auch keinen Grund dazu, vielmehr möchte ich am Ende einer langen Zeit im kirchlichen Dienst sagen, was mich dankbar macht.

Ich werde drei Kerzen der Dankbarkeit entzünden.

1. Die erste für das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen, ohne das sehr vieles nicht möglich wäre - in den Kirchengemeinden – in den Kommunen – in Verbänden und Vereinen … über Parteigrenzen hinweg. Menschen, die nicht sagen „Was kriege ich dafür?“ und vor allem nicht: „Da kann man doch nichts machen“, sondern die sagen: „Da kann ICH was machen“ und das auch tun – zusammen mit anderen. Die nicht nur meckern und alles von anderen erwarten.

Dass viele den Mut haben, sich einzusetzen und kostenlos Zeit und Kraft opfern, auch wenn andere darüber den Kopf schütteln oder sich lustig machen, das finde ich einfach toll!

Mein Freund Erich Schweidler – er war Pfarrer an der St.Petri-Gemeinde und erster Nachwendebürgermeister in Thale – hat mir 1976 ins Gästebuch geschrieben: „Wer den Mut hat, sich unbeliebt zu machen, wer unbequem ist,  bringt die Entwicklung weiter. Mitmacher sind zwar bequem, aber langweilig.“

Sich anstößig zu verhalten bringt Anstöße – bringt in Bewegung – bringt weiter – macht die Welt etwas heller und wärmer, so wie diese Kerze.

2. Die zweite Kerze der Dankbarkeit entzünde ich für meine guten Erfahrungen mit der Ökumene – nicht nur aber auch hier in Thale.  Wir haben in den vergangenen Jahren vieles ganz unkompliziert gemeinsam gemacht, manchmal im Kleinen, dann auch im Größeren. Ich erinnere an den Ökumenischen Kreiskirchentag 2008, an die vielen Mitwirkenden beim Harzfest und 2009 beim Sachsen-Anhalt-Tag hier in Thale, bei den vielen Harzer Sommertagen, die wir ökumenisch gestaltet haben.

Viel Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten konnte ich erleben bei den großen Ökumenischen Kirchentagen in Berlin und München, bei Katholikentagen und den großen evangelischen Kirchentagen und bei den Reformationstagen, die wir hier in Thale seit langem zusammen begehen – mit gemeinsamen fröhlichen Mahlzeiten.

Noch trennt uns evangelische und katholische Christen manches voneinander, doch es gibt viele Schritte aufeinander zu.  

Im September habe ich in Halberstadt an einer Ökumenischen Vesper teilgenommen aus Anlass des kirchlichen Festes für den Frieden und die Einheit der Kirche. Ein katholischer Geistlicher führte dazu aus:

Wichtig bleibt, dass der Glaube und das Mahl anderer Konfessionen nicht richtig oder falsch, sondern ehrlich, aber eben anders sind. Diese Erkenntnis ist eine tragfähige Grundlage für Gespräche, die keinen Einheitsbrei als Ergebnis wollen. Selbst wenn es immer noch nicht nach einer zeitnahen Lösung aussieht: "Der Mauerfall vor 25 Jahren kam auch unerwartet!"

Beifall bekam er für seinen Satz: „Freiheit muss ich mir NEHMEN.“  Die bekommen wir nicht auf einem Silbertablett serviert. Wenn das nicht hoffen lässt!

Dafür die zweite Kerze, bei der ich auch an den Satz denke, der mir schon in der DDR-Zeit wichtig geworden ist: „Es ist besser eine Kerze anzuzünden als über die Dunkelheit zu jammern.“

3. Die dritte Kerze ist deutlich größer als die beiden anderen und das ist natürlich kein Zufall. Ich bin in einem nichtkirchlichen Elternhaus aufgewachsen und habe als Jugendliche ersten Kontakt zu Kirche und Glauben gefunden. Dankbar bin ich für die Kraft des Glaubens – für die Einladung zur Freiheit und zum aufrechten Gang.

Ein Spruch von Theodor Storm, den ich von meinem Konfirmator gelernt habe, hat mich geprägt: „Der eine fragt: Was kommt danach? Der andre fragt nur: Ist es recht? Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht.“

Ich wollte FREI sein und habe im Glauben Freiheit gefunden und die Erkenntnis gewonnen: Gottesfurcht schützt gegen Menschenfurcht. Ich denke an Paulus in der Gefängniszelle: Er war gefesselt und predigte dennoch FREI das Evangelium. – Ich lebte in einem Staat, der seine Bürger/innen einsperren musste, damit sie blieben …

Diesen Zustand konnten wir beenden – friedlich – ohne Gewalt – mit vielen kleinen Kerzen, auch hier bei uns in Thale.

Dafür diese dritte große Kerze. Danke für alles!

Heute meine Verabschiedung aus dem offiziellen Dienst. Aber ich bin und ich bleibe Pastorin. Als Christin lebe ich in dem Wissen, ein Geschöpf zu sein – verantwortlich für mein Leben, für alles Tun und für alles Lassen – und angewiesen auf Gemeinschaft.  

Gott gibt dem Menschen viele Möglichkeiten und setzt ihm hilfreiche Grenzen. Wer sich vor Gott verantwortlich weiß, geht verantwortlich mit der Schöpfung, mit den Mitmenschen, mit sich selbst um.  

Jesus ist uns ein Vorbild: Er war unbequem und anstößig – hatte keine Angst vor den Mächtigen und Geduld mit den Unvollkommenen. Er blieb ehrlich und riskierte es, sich unbeliebt zu machen. Mit seinen Maßstäben lässt es sich leben: „Gott ist der Mensch, der uns menschlicher macht.“

Zum Schluss ein Satz vom „Ehrenbürger der Herzen“ unserer Stadt, dem katholischen Pfarrer Wolfgang Janotta, den ich beim Abschied von den Gemeindekirchenräten im März zitiert habe:

„Ich habe getan, was ich konnte. Den Rest muss der liebe Gott erledigen.“

Wird er – er hat ja Sie und Euch! J

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.       Amen.

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Angelika Zädow:

Liebe Ursula, liebe Gemeinde,

nach 38 Jahren in Thale und 40 Jahren im kirchlichen Dienst wirst Du, liebe Ursula, heute aus diesem Dienst verabschiedet. Dass Du daran lange geknabbert hast, ist kein Geheimnis. Und ja, das ist sicher schwer, nach einer solchen Zeit alles „sein“ zu lassen, was vier Jahrzehnte tagtäglich das Leben und die Zeit prägte, den Tagesrhythmus vorgab, Herz und Verstand beschäftigte: Lektoren und Organistinnen für die Gottesdienste und Amtshandlungen zu finden, die Gemeindebriefe zu gestalten und den Beiträgen „hinterher“ zu laufen, Besuche zu machen, die Anfragen des Kreiskirchenamtes zu bedienen, Gruppen und Kreise zu organisieren und noch viel mehr. Das alles hört nun auf nach 40 Jahren.

Diese Zahl spielt übrigens in der Bibel immer wieder eine Rolle: 40 Tage und Nächte dauerte die Sintflut, 40 Jahre dauerte der Zug des Volkes Israel durch die Wüste, Mose weilt 40 Tage auf dem Berg Sinai, um die Gebote zu empfangen, der Prophet Elia geht 40 Tage und Nächte zum Berg Horeb und Jesus fastet 40 Tage in der Wüste.

So unterschiedlich diese Erzählungen sind -  zwei Dinge verbinden sie. Erstens: In dieser Zeit begegnen sie Gott. Und ich wünsche Dir und Ihnen, liebe Gemeinde, dass Sie im Nachdenken über die gemeinsame Zeit im Pfarrbereich Thale auch sagen können: Da gab es Momente und Augenblicke der Gemeinschaft, in denen wir uns des Glaubens sicher waren oder wurden.

Zweitens: Nach dieser Zeit veränderte sich das Leben der Menschen. Dieser Zeitpunkt ist nun für Dich, und Ihre Gemeinden gekommen. Sie alle haben eine neue Pastorin, die nun mit Ihnen Leben und Zeit im Pfarrbereich Thale gestaltet und auf dem Weg des Glaubens weiter geht, anknüpft an das was war und ganz andere Wege wagt.

Und du, liebe Ursula, wagst ja bereits andere Wege, hilfst Gemeinden im Kirchenkreis über die Zeit von Vakanzen hinweg. Hältst Gottesdienste und Amtshandlungen, organisierst und berätst. Der Rhythmus Deiner Zeit ist nun anders. Aber die Zeit an sich bleibt. Du hast nun die Freiheit, sie nach Deinen Wünschen nach Deiner Lust woanders zu gestalten und ohne Amtspflichten. Von Herzen wünsche ich Dir, dass Du diese Freiheit nutzen und Deine Zeit füllen kannst.

So Gott will, noch 40 Jahre, Amen.

 

Liebe Ursula,

vor Gott und dieser Gemeinde endet hiermit Dein Dienst im Pfarrbereich Thale, der Dir übertragen war. Alle Zuständigkeiten und Pflichten liegen nicht mehr in Deinen Händen. Was Dich in Deiner Arbeit beschwert hat, was unfertig blieb oder Sorgen macht, legen wir in die Hände Gottes, der allein aus allem ein Ganzes zu machen vermag. Nichts soll Dich beschweren, nichts soll Dich betrüben. Gott wird Dich tragen und begleiten auf Deinem weiteren Lebensweg.

 

Gebet:

Gott, Du Anfang und Ende der Zeit: Wir danken Dir für den Dienst von Pastorin Ursula Meckel, für die Zeit, die sie hier gewirkt hat. Und bitten Dich: Segne unsere Schwester im Glauben. Stärke sie mit Deinem Wort. Schenke ihr Mut und Zuversicht. Das bitten wir Dich durch Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist unserem Leben einen neuen Anfang schenkt. Amen.

Segen

Gott segne dir den Blick zurück und den Schritt nach vorn. Er schenke dir eine Melodie, die dich wie ein Lachen durch den Tag begleitet und Menschen, die ihre Arme um dich legen wie ein wärmender Mantel. So segne dich…