Für Interessenten eine bis vier  PREDIGT(en)                        

(Es ist nicht auszuschließen, dass ich auch mal den einen oder anderen Gedanken "übernommen" habe, ohne dies in jedem Fall ausdrücklich zu benennen.)  

Am 31. März 2014 endete mein Dienst im Pfarrsprengel Thale - 

seit dem 1. April 2014 bin ich Beauftragte für Springerdienste im Kirchenkreis Halberstadt.

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Gottesdienst

16 Juni 2019 um 14 Uhr in Dardesheim

 

ANSPRACHE

Liebe Dardesheimer, liebe Festgemeinde,

da haben Diakon Paul Beutel und die Dardesheimer Theatergruppe Ihnen ja gerade einiges zugemutet – fünf Bibeltexte in fünf Minuten – das kann sich ja kein Mensch merken. Außerdem ist es jeder einzelne dieser Texte ohnehin schwer zu verstehen – und zuletzt war auch noch von Wiedergeburt die Rede. Von neuem geboren werden um in das Reich Gottes zu kommen. Wie soll das zugehen? Wie die Neugeborenen sein.

Ich kann mir vorstellen, dass manch einer oder eine sich das wünscht: Noch einmal geboren werden - ganz von vorn anfangen - ein neuer Mensch werden - aus der alten Haut herauskönnen, alles oder zumindest vieles ganz anders, nämlich besser machen.

Die alte, einengende Haut abstreifen können und neue Hoffnung, frischen Mut und gute Aussichten zu haben - das wäre schon etwas.

Heraus aus der alten Haut – heraus aus Krankheit und Alter und Resignation - weg von den Verärgerungen, Enttäuschungen, Verletzungen und kränkender Hilflosigkeit.

Leider ist es nicht möglich. Es gibt keinen Weg aus der alten Haut heraus - obwohl manches zum aus – der – Haut - fahren ist - in der Gesellschaft, in der Kirche und im Alltag.

Aus der Haut fahren - es geht nicht - und: Was würde es denn auch bringen?

Wir sind nicht wie die Neugeborenen, sondern viele sind älter und alt Gewordene.

Die ersten Christen lebten als unangepasste Minderheit. Das brachte ihnen Ablehnung ein und Diskriminierung; sogar offene Aggression, Feindschaft und Verfolgung. Dass sie versuchten, die christliche Hoffnung nicht nur zu predigen, sondern sie auch zu leben, brachte die Gemeindeglieder in eine Außenseiterposition.

Der christliche Glaube mutet den Menschen zu, sich nicht aus der Welt zurückzuziehen, sondern bewusst in sie hineinzugehen. Wer auf Jesus hofft, kann sich nicht mehr abfinden mit der gegebenen Wirklichkeit. Wer auf Jesus vertraut, muss leiden an der Situation, ihr widersprechen und sich wehren.

Ein Theologe hat es einmal so gesagt: Hoffnung ist die Leidenschaft für das Mögliche!

Christliche Hoffnung zielt auf die neue Welt Gottes; auf unversehrtes und unbeschädigtes Leben für alle Menschen auf der Erde und für die gesamte Schöpfung. Das macht diese Hoffnung radikal und anstößig.

Viele Christen mussten den Preis für ihre gelebte Hoffnung bezahlen. Weil sie sich nicht in die bestehenden Verhältnisse einpassten, handelten sie sich immer wieder Ärger ein.

Anstoß und Ärger zu erregen, erfordert Mut - es ist notwendig, um Erstarrtes in Bewegung zu bringen.

Mir macht zuweilen Angst, dass heute schon wieder so viele sich zurückziehen und sagen: Da kann man ja doch nichts machen - und das, obwohl Ungerechtigkeiten nicht zu übersehen sind.

Klar ist:

Es ist gefährlich, wenn die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Die Rechnungen des Freien Marktes werden bezahlt von den Leistungsgeminderten bei uns, der Zweidrittelwelt und den Lebensgrundlagen der Schöpfung.

Wer sich diesem Kreislauf entgegenstellt, wird zum Fremden in der Welt - erregt Anstoß, wird belächelt oder bekämpft.

Das gilt nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Kirchen: Wer sich einmischt riskiert, sich unbeliebt zu machen.

Die ersten Christen stärkten sich gegenseitig - und weil sie so sicher waren, dass am Ende die Hoffnung siegen würde, stimmten sie bereits in der Gegenwart ihre Lobgesänge an.

Lassen Sie uns das jetzt ebenfalls tun mit dem alten Choral:

Lied: „Großer Gott wir loben dich“

Grusswort KK

Auf die Zugänge kommt es an – von jeder Position aus sieht alles anders aus –

Ich möchte Ihnen allen in Dardesheim jetzt von der Position des Kirchenkreises aus ein herzliches Grußwort zu Ihrem Stadtjubiläum sagen.

Vor 14 Tagen haben wir in Quedlinburg den Sachsen-Anhalt-Tag gefeiert – vielleicht war mancher von Ihnen auch bei dem fröhlichen Fest dabei.

„Welterbe –Weltoffen –Willkommen“ war das Motto und wir als christliche Kirchen haben das ergänzt durch „Werte wahren – wahre Werte“.

Kirche wird ja oft gesehen als etwas Historisches mit vielen wertvollen Kunstgegenständen – wir wollten lebendige und aktuelle Kirche zeigen, die zum Mitmachen einlädt, die sich verantwortlich fühlt, das alltägliche Miteinander zu gestalten.

Es lässt sich leicht sagen: Kirche ist altmodisch und langweilig und nichts für mich und sie stirbt ohnehin bald aus.

Ich kann auch sagen: Ich wünsche mir eine lebendige Gemeinde und deshalb bringe ich meine Ideen und Vorstellungen und Phantasien ein –

probiere zusammen mit anderen etwas aus – suche nach neuen Wegen – und wenn einer in die Irre führt, suchen wir gemeinsam den nächsten.

Ich denke, so ähnlich ist es auch bei den Vorbereitungen für Ihr Stadtjubiläum zugegangen – so ein Fest kann nur gelingen, wenn viele sich einbringen und engagieren. Und dabei gab es sicher auch Ideen, die sich nicht verwirklichen ließen, aber Sie haben vieles auf die Beine gestellt um fröhlich miteinander feiern zu können.

Und das, obwohl es natürlich auch hier Probleme gibt - wichtig ist, sich von ihnen nicht entmutigen zu lassen.

Dabei geht es nicht um einen vordergründigen Zweckoptimismus, der dem Benachteiligten gönnerhaft auf die Schulter klopft und verspricht: Es wird schon wieder werden.

Hoffnung verlangt mehr als gute Worte. Sie verlangt einen Einsatz, der immer wieder enttäuscht werden wird. Engagement wird immer angefochten sein.

Echte Hoffnung gibt nicht - sie vertraut auf die Zukunft.

Von Neuem geboren werden - es gibt sie - die Momente, wo sich jemand wie neugeboren fühlt - wo Hoffnung spürbar wird, Gottes Gegenwart erlebbar ist.

Wenn Menschen trotz aller Enttäuschungen nicht aufgeben, sondern sich einsetzen für das Wohl aller und die Bewahrung der Schöpfung - es muss nicht alles bleiben wie es ist, auch wenn es manchmal nur kleine Schritte sind.

Schön wäre, wir würden das immer mal wieder erleben und weitersagen – auch hier in Dardesheim. Der Kirchenkreis Halberstadt wünscht Ihnen dazu viele mutmachende Erfahrungen und gutes Gelingen und jetzt erstmal ein unbeschwert schönes Fest.

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Pfingsten 2019

9. Juni:  14 Uhr Kroppenstedt - 10. Juni: 10 Uhr Friedrichsbrunn    

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist. Amen.

Liebe Gemeinde,

haben Sie richtig zugehört bei der biblischen Lesung aus der Apostelgeschichte? Oder doch so ein wenig abgeschaltet, weil Sie die ja alle längst kennen?

Eigentlich ist es eine ziemlich irre Geschichte - damals vom ersten Pfingstfest – ziemlich vollmundig und bestimmt übertrieben – von wegen 3.000 Taufen – ich hatte vor einer Woche eine – und Ende August wieder eine (hier) in Kroppenstedt und freue mich darüber.

Wahrscheinlich ist es wie so oft in der Bibel - das war ja üblich damals - ein Stilmittel der Übertreibung und sollte sagen: Das Geschehen hat viele zutiefst überzeugt vom Glauben an Gott, an Jesus und eben an den Heiligen Geist.

Und ich denke auch, es kommt mehr auf die Überzeugung als auf die Anzahl an. Klar:  Natürlich macht vieles mit vielen mehr Spaß. Aber wenn ich an die Geschichte der Menschheit denke - da waren es oft einzelne, von denen deutlich mehr Kraft ausging als von der Masse.

Vor wenigen Tagen sagte der Jüngste aus meiner Haus&Hoffamilie, elf Jahre jung, ziemlich enttäuscht zu mir: Pfingsten ist gar kein richtiges Fest – und hat damit ja auch irgendwie recht.

Es gibt keine Geschenke – wenn man nicht gerade Konfirmation hat! – es gibt kaum typischen Pfingstschmuck zuhause oder in der Kirche – und es gibt auch nichts Richtiges zu erzählen.

Weihnachten lässt sich beschreiben – Ostern auch – aber Pfingsten ist schwer zu schildern.

Nur wenige kennen die biblische Beschreibung von Pfingsten: Fremde kamen sich plötzlich näher und konnten einander verstehen – Feiglinge wurden mutig und Stumme konnten reden – und Unsichere wussten auf einmal wo es langgeht.

Wo es lang geht – wie es weiter geht – dies zu wissen ist enorm wichtig – für alle Menschen, egal in welchem Alter. Es gibt nahezu irrsinnig viele Wege und Möglichkeiten – die werden auch angepriesen und es gibt Verlockungen in jede Richtung.

Welcher Weg ist richtig? Welchen Weg werde ich gehen, wie geht es weiter mit mir – was wird aus jeder und jedem von uns? Was wird aus unseren Gemeinden? Was wird aus unserem Land? Was wird aus Europa und der Welt?

Menschen, die nicht wissen, wo sie hingehören, sind schlecht dran. Ihnen fehlt Orientierung und damit Halt. Es ist gut und notwendig, dass jemand weiß, wo es entlanggehen könnte, was wichtig ist im Leben, wo eine oder einer hingehört.

Pfingsten – Fest des Heiligen Geistes – Beginn einer großen Veränderung – damals in Jerusalem vor ca. 2. 000 Jahren.

Erinnern wir uns:

Ein Häuflein verängstigter Jünger war zurückgeblieben und saß kleinlaut beisammen. Ihnen war der Inhalt ihres Lebens abhanden gekommen. Die Botschaft von der Auferstehung hatten sie zwar gehört, doch wohl noch nicht so recht verstanden, wie sollten sie auch.  Aber sie waren zusammengeblieben, obwohl ihr Ansehen schwer gesunken war und die Massen ihnen nicht mehr hinterherliefen.

Dabeibleiben, zusammenbleiben, auch wenn mancher weggeht, auch wenn die Wertschätzung der Kirche sinkt. Ich glaube, das ist jetzt auch dran, um einen eigenen und richtigen Weg zu finden.

Damals zu Pfingsten hatte sich das Blatt gewendet, aus dem vermeintlich endgültigen Ende war ein neuer Anfang geworden; den scheinbar Kraftlosen wurde Kraft geschenkt; Heiliger Geist für Geistlose. Er begeisterte so, dass plötzlich Menschen zu reden anfingen, die es sich vorher weder getraut noch zugetraut hätten.

Manchmal hängt das Leben entscheidend davon ab, dass Menschen geistesgegenwärtig das Richtige tun. Diese Geistesgegenwart brauchen wir – in unserem Land, in der Welt und auch in unseren Gemeinden.

Es lässt sich leicht sagen: Kirche ist altmodisch und langweilig und sie stirbt ohnehin bald aus – (das ist mir schon zum Beginn meines Studiums vor 50 Jahren prophezeit worden J ) -

ich kann auch sagen: Ich wünsche mir eine lebendige Gemeinde und deshalb bringe ich meine Ideen und Vorstellungen und Phantasien ein – zum Beispiel auch im Gemeindekirchenrat -

probiere zusammen mit anderen etwas aus – suche nach neuen Wegen – und wenn einer in die Irre führt, suchen wir gemeinsam den nächsten.

Bedroht ist Kirche nicht durch Austritte oder den Verlust von Ansehen und durch Finanznöte. Bedroht ist sie, wenn der Geist nicht mehr spürbar ist, wenn sie geistlos wird, wenn niemand mehr begeistert ist und niemand sich begeistern lässt!

Pfingsten wird vereinfachend vom Geburtstag der Kirche gesprochen - also UNSER Geburtstag. Und Geburtstage sollten gefeiert werden – mit Gästen, mit Geschenken, mit gemeinsamen Essen, mit fröhlichem Feiern.

Das versuchen wir gerade. Wir FEIERN Gottesdienst – Gäste sind da – d. h., wir sind selbst Gäste – wir sind nämlich eingeladen.

Eingeladen dazu, das Wort Gottes zu hören, miteinander zu singen und zu beten, Gemeinschaft zu haben untereinander und der ganz besonderen Verbindung zu Jesus – und das eigentliche Geschenk kommt von Gott selbst: Sein Heiliger Geist, das feiern wir zu Pfingsten.

Auch wenn das mit Geistern ja so eine Sache ist. Schwer zu erklären, nicht nur Außenstehenden.

Wer spricht im Alltag schon vom Geist – gar einem Heiligen Geist. Geister kommen nur noch in Filmen vor – oder als Weingeist – oder im Ausruf entnervter Menschen, wenn sie zum Beispiel über andere denken: Die sind ja von allen guten Geistern verlassen. Und wenn jemand „herumgeistert“ ist nicht so ganz klar, woher er kommt und wohin er will.

Allerdings gibt es auch den guten Geist eines Hauses – und das kann eine Person sein oder die Atmosphäre, die zwischen den Menschen dort herrscht. Vor 2000 Jahren war es der Beginn einer großen Veränderung. Das Blatt hatte sich gewendet: Heiliger Geist für Geistlose.

Das hieß: Nicht schweigen, sondern reden. Den Mund aufmachen und vor dem Reden nachdenken. Manchmal hängt ja das Leben entscheidend davon ab, dass Menschen geistesgegenwärtig das Richtige tun. Diese Geistesgegenwart brauchen wir – dringend!

Und sie wird uns tatsächlich geschenkt. Im Johannesevangelium heißt es: „Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“

Trösten kann übersetzt werden mit ERMUTIGUNG. Ermutigung zum Leben, auch wenn es nicht immer leicht ist. Damals haben Menschen sich in Bewegung bringen lassen. Ich glaube fest: Gottes Geist kann auch uns heute helfen, geistesgegenwärtig zu leben – weder zu beschönigen, noch Welt- oder Kirchenuntergangsstimmung zu verbreiten.

Das ist meine feste Überzeugung: Gottes Heiliger Geist begleitet uns spürbar und führt und bewahrt – er tröstet und schenkt Geborgenheit – er ermutigt und stiftet Unruhe – er hilft, Fragen zu stellen und Antworten zu finden – er kann geistvolle und begeisterte Menschen aus uns machen. Gott sei Dank!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.                                     Amen.

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Gottesdienst Kantate

19. Mai 2019 um 9:30 Uhr St. Andreas Thale

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist.                 Amen.

Liebe Gemeinde,

es gibt drei Tätigkeitswörter, die für uns Menschen so wichtig sind, dass sie Namen für Sonntage abgeben. Unsere Vorfahren gaben den 52 Sonntagen spezielle Bezeichnungen, Titel, so dass man sich auch ohne Kalender gut verabreden konnte.

Der dritte Sonntag nach Ostern heißt: „Jubilate“ - Freuet euch.

Der vierte – der heutige -  heißt „Kantate“ - Singet und der fünfte „Rogate: Betet. Jubeln, singen und beten hat viel miteinander zu tun – die meisten Gesangbuchlieder und die Psalmen sind Gebete.

Ein Kollege von mir hat jahrelang jede Kantate-Predigt mit den anklagend-provozierenden Ausrufen begonnen: „Kantate! Wer singt denn heute noch? Ein paar hochbezahlte Solisten...“ und das sehr zum berechtigten Ärger des engagierten Kirchenmusikers. Die Behauptung stimmt ja auch nicht; es wird viel gesungen - nicht nur aber auch in Kirchenchören, allein oder in geselliger Runde; zuweilen wird bloß geträllert oder gepfiffen - aus Freude heraus oder gegen Ängste.

Ich bin seit fünf Jahren viel unterwegs in den Gemeinden des Kirchenkreises, manchmal sind es sehr kleine Gemeinden und nicht alle haben das Privileg, einen Kirchenmusiker zu haben – da gibt es Technik, die einen Menschen ersetzen soll – entweder einen CD-Player oder auch anderes –

ich habe inzwischen entschieden, dass ich nur Gottesdienste übernehme, wenn ein Mensch da ist, der die Lieder begleitet. Und das Singen geht nun mal am besten, wenn ein Organist dabei ist. Das gemeinsame Singen ist ein wichtiger Teil des Gottesdienstes.

Lieder können im Leben eines Menschen eine große Bedeutung haben.

Manchmal geht uns eine Melodie lange nicht aus dem Ohr – verbindet mit Erinnerungen: An die erste Begegnung mit der Freundin/dem Freund – an einen Abschied – an ein schönes Fest.

Musik spricht eine Dimension in uns Menschen an, die über rein Gedankliches hinausreicht – sie erreicht unsere Gefühle.

Manchmal sehr laut – manchmal ganz leise – aber immer intensiv.

Lieder gibt es fast so lange wie es Menschen gibt.

Heute sind es häufig anklagende, jammernde Reden und Klagelieder. Sie werden angestimmt, zu Recht oder zu Unrecht und nicht immer melodiös. Positives und Loblieder sind seltener geworden, sogar in unseren Gottesdiensten klingen sie bisweilen eher müde als mitreißend. Dennoch geschieht es, dass Menschen vor Freude singen.

In der Offenbarung des Johannes wird von einem Lobgesang berichtet.

 

Offenbarung 15; 2 – 4:

Und ich sah, und es war wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt; und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:

Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.

Die Vokabeln muten fremd an,  wie dieses Buch überhaupt. Verstehbarer wird es nur, wenn die geschichtlichen Zusammenhänge deutlich werden. Da hatte sich ein Kaiser selbst zum Gott gemacht. Domitian regierte mit eiserner Faust und später wurde er von römischen Historikern als „Höllenbestie“ bezeichnet. Zuvor starb sein Bruder, der nur zwei Jahre glücklos regiert hatte, unter mysteriösen Umständen. War der Bruder mitschuldig?

Domitian hatte sich um eine neue weltanschauliche Grundlage für das zerrissene Reich bemüht. Die alten Götter wurden nicht mehr ernst genommen und so setzte er sich selbst als höchstes Wesen ein. Die Offenbarung des Johannes ist die Antwort auf diese Kampfansage. Es war eine Gegenerklärung gegen die Kriegserklärung des Gottkaisers.

Die geheimnisvoll verhüllende Bildersprache, dazu ihre Vorliebe für alttestamentliche Begriffe, lassen sich nur erklären durch die gefährliche politische Situation, in welcher das Buch entstand. Den Außenstehenden und Christenfeinden sollte es ein Rätsel bleiben; den Mitbetroffenen eine Offenbarung werden.

Johannes sieht inmitten der gefährlichen Lage für die jungen christlichen Gemeinden den Himmel offen. Er ruft auf zum Danken und zum Lobgesang, obwohl er sich aller Gefahren bewusst ist. Er greift zurück auf alte Gebete und altes Liedgut und will Vergewisserung vermitteln: Trotz aller Anfechtungen glaubt er unbeirrbar, dass Gott den letzten und umfassenden Sieg behält. Er hält an dieser Überzeugung fest, obwohl fast alles Äußere dagegen spricht.

In keinem Buch des Neuen Testamentes wird so viel gebetet und gesungen wie in der Offenbarung des Johannes; in diesem Trostbuch einer angefochtenen und bedrohten Gemeinde. Dort begegnen uns immer wieder Lieder und Hymnen. Es beten und singen diejenigen, die ihren Glauben standhaft bewahrt haben.

Ich denke, dies ist etwas, das uns geblieben ist: Das laute Beten, Singen und Musizieren in der Kirche ist nicht in erster Linie eine Frage der Musikalität, sondern eine Frage des Glaubens. In einer lebendigen Gemeinde wird gern und viel gesungen.

In unserem Gesangbuch finden sich viele Lieder, die in schweren Kriegs-, Nachkriegs- und Pestzeiten entstanden sind. Offenbar werden gerade in einer bedrohten Gemeinde besonders viele Lieder und Gebete gesungen - gegen alles zu Fürchtende. Sie unterbrechen gegenwärtige Ängste und setzen unüberhörbare Hoffnungszeichen.

Singt sie aus Angst - die Gemeinde  - wie die Kinder im Wald oder im dunklen Keller?  Will sie sich selber Mut machen?

Ich denke nicht, sondern sie singt Gottes Lob - ohne so zu tun, als seien die Welt und die Kirche in Ordnung. Weder die Lage noch die Zukunftsaussichten geben Anlass zum Triumphieren. Aber die Christen beten und singen.  Kirchenmusik ist keine schöne Zutat im Gottesdienst, sondern Ausdruck eines lebendigen Glaubens.

Die Situation der Kirchen und Gemeinden heute macht mir durchaus Sorgen. Auch für Christen ist der Lauf der Weltgeschichte oft dunkel und undurchsichtig.

Gesellschaftlich und kirchlich klar ist, dass vieles nicht so weitergehen kann wie bisher.

Unklar ist, wie es weitergehen kann - mit den Gebäuden, den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Finanzen, den rückläufigen Zahlen insgesamt, den unbeantworteten Sehnsüchten nach Frieden und Verständigung zwischen den Völkern und Generationen. Es gibt mehr offene Fragen als klare Antworten und reichliche Gründe für Klagelieder und zum Verzweifeln.

Von Johannes möchte ich lernen: In scheinbar aussichtslosen Situationen trägt die Hoffnung auf den lebendigen Gott. Jesus hat immer die Situation der Seinen verändert. Die negativen, lebensbedrohenden Kräfte werden nicht ewig die Oberhand behalten. Es gibt keinen Grund, gelähmt wie ein Kaninchen vor der Schlange zu verharren. Der Einsatz gegen Ungerechtigkeiten und für eine bessere Welt nach den Maßstäben Jesu ist nicht vergeblich.

In den alten Worten erkenne ich Gründe gegen jede Form von Resignation. Und viele Gründe zum Beten und zum Singen - gegen die Angst, voller Vertrauen und Hoffnung - und das keineswegs nur für hochbezahlte Solistinnen und Solisten.

Jubilate - jubelt. - Kantate - singet! - Rogate - betet!

In der Kirche wird gelobt und  gesungen und gebetet, auch heute. Singen ist nicht das Hobby der Musikalischen in den Gemeinden, sondern Ausdruck des Glaubens auf Gottes Handeln an uns.

Musik und Lieder sind eine Form, Glauben, Hoffnung und Vertrauen zum Ausdruck zu bringen. Martin Luther hat einmal gesagt: „Einmal gesungen ist wie zweimal gebetet.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen gesegneten Sonntag Kantate – einen Tag voller erfreulicher und hilfreicher Töne.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.                 Amen.

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14. Mai 2017 - 40 Jahre Ordination - Thale St. Andreas

   

                                      

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Gottesdienst 31. Oktober 2014

Wendegedenken – Reformation – Verabschiedung Pastorin Ursula Meckel

Liebe Versammelte,

heute vor 25 Jahren um diese Zeit war ich sehr viel aufgeregter als heute – in zweieinhalb Stunden würde hier in dieser Kirche eine Veranstaltung beginnen, von der niemand sagen konnte, wie sie ausgehen würde – wie viele kommen würden – ob es friedlich bliebe. Einige entschlossene Bürger/innen hatten eingeladen zu einem „Gebet für Land und Leute“ - … ein heute völlig harmloser Text, damals  staatsgefährdend gefährlich – die Handzettel wurden schnell entfernt, doch es hatte sich herumgesprochen.

Etliche sind jetzt hier, die damals auch dabei waren – um viele Erfahrungen reicher.

An diesen Reformationstag vor 25 Jahren erinnern wir.

Reformationstag – ein evangelischer Feiertag, den wir hier in Thale seit vielen Jahren ökumenisch begehen – so auch heute – ein zweiter Grund zur Dankbarkeit, weil das keineswegs überall selbstverständlich möglich ist.

Der dritte Anlass dieses Gottesdienstes: Nach 40 Jahren im kirchlichen Dienst werde ich verabschiedet - von den Kirchengemeinden und vom Kirchenkreis – entpflichtet vom Amt? – von der Pflicht zur Kür? – beziehungsweise verabschiede ich mich? - oder auch nicht?

Schaun wir mal.

Auf jeden Fall feiern wir jetzt einen Gottesdienst mit ganz viel Musik und dafür bin ich dankbar; dankbar allen, die ihn mit ausgestalten – und dazu gehören auch Sie alle hier, die zum Mitsingen eingeladen sind.

Dankbar bin ich vor allem dafür, dass wir uns versammelt haben im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Hilfe erwarten wir von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Chor + Gemeinde: Wo Menschen sich vergessen …

Gott, wir treten jetzt vor Dich mit unseren Erinnerungen, unseren Wünschen, unseren Befürchtungen und unseren Hoffnungen. Wir schauen zurück und nehmen Abschied – wir blicken nach vorn und haben Träume.

Ich möchte bewahren, was gut war in den vergangenen Jahrzehnten. Denn vieles war wunderschön, erfrischend, aufregend, überraschend neu – dafür danke ich, das will ich nicht missen.

Loslassen und bewahren - beides. Gott, gib mir den Mut, die Hände zu öffnen, um Altbekanntes loszulassen. Gib mir den Mut, die Hände zu öffnen und die Arme auszubreiten, um Neues, Unbekanntes zu begrüßen.

Gott, ich danke Dir, dass ich getragen bin von der Hoffnung, gehalten zu werden -  beflügelt von dem Glauben, dass Du Dich kümmerst - auch um mich. Begeistert von dem Glauben, dass Du da bist.

Du hältst die Zeit liebevoll in Deinen Händen. Du bist ewig. Gestern und heute und morgen. Kein Anfang, kein Ende. Die Zeiten kommen und gehen - Du bleibst und rufst zum Leben im Vertrauen auf Dich und Deine beständige Gegenwart. Du bist auch jetzt mitten unter uns. Das ist Grund, sich zu freuen – deshalb:

Jauchzet dem Herrn alle Welt!

Amen.

Chor + Bläser:     Psalm 100

Lesung = Prediger 3; 1 - 13                                   

Meine Hoffnung …

                Credo                                                        

Bläser:                 La nuit

PREDIGT-Einstieg

U.:     Sag mal bitte,  Angelika, findest Du nicht auch, dass das heute hier eine etwas seltsame Veranstaltung ist?

A.:     Wieso seltsam? Es ist ein schöner Gottesdienst in einer vollen Kirche mit aufmerksamen Menschen, viel Musik und guter Stimmung. Und weil aller guten Dinge drei sind, gibt es drei inhaltliche Schwerpunkte: Wende-Gedenken, Reformation und Deine Verabschiedung.

U.:     Wende-Gedenken und Reformation sind klar – aber meine Verabschiedung? Mein Dienst hier im Pfarrbereich endete schon vor sieben Monaten. Ich wohne weiter in der Gemeinde und gehöre zum Bläserchor und in der Stadt bleibe ich ebenfalls, sogar im Stadtrat. Und: Im Kirchenkreis und selbst darüber hinaus geht meine Arbeit weiter. Also was für ein Abschied?

A.: Kann es sein, dass Du Dich um einen Abschied drücken willst?

U.: mhm … Also, mein ältester Patensohn hat mir geschrieben: „Ruhestand KANNST Du gar nicht.“

A.: Weiche nicht aus! Kann es sein, dass Du Dich drücken willst vor dem Abschied? Weil das weh tut?

U.: mhm …

A.: Bisher hast Du das ja ganz geschickt geschafft – denn Dein Dienst im Pfarrbereich Thale endete ja bereits am 31. März – wie Du weißt…

U.: Und Du weißt: Jeder Abschied ist ein kleines Sterben.

A.: Gehts auch etwas weniger theatralisch? - Du weißt: Alles hat seine Zeit … steht doch so schön auf der Einladung: …

U.: Das ist wohl der Unterschied zwischen Theorie und Praxis - oder wie wir hier im Osten gesagt haben: Zwischen Marx und Murks. Ich weiß, dass ich mich dem stellen muss. Nur: Zum April hast Du hier eine neue Pastorin eingesegnet. Willst Du mich jetzt aussegnen? Das klingt so nach Beerdigung.

A.: Natürlich nicht! Aber z. B. entpflichten – Du MUSST jetzt nichts mehr tun, aber Du darfst noch – und Pastorin bleibst Du ohnehin (so lange Du es möchtest).

U.: mhm …

A.: Nun schwirre schon ab auf die Kanzel – oder hast Du nichts mehr zu sagen?

U.:   Na gut. J  Aber ich bleibe lieber hier unten – ich möchte ja nicht „von oben herab“ reden …

Neue Möglichkeiten zu leben und Frieden kommen von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, der für uns maßgeblich ist.                 Amen.

Liebe Anwesende,

gestern wurde ich am Telefon gefragt: „Freust Du Dich eigentlich auf den Gottesdienst morgen?“ und ich konnte ehrlichen Herzens sagen: „Inzwischen Ja! Ja, ich freue mich.“

Im April, als das eigentlich aktuell war, hätte ich das noch nicht gekonnt, denn es ist ja etwas dran, dass ich mich eigentlich irgendwie um diesen Abschied drücken wollte, weil eben jeder Abschied ein kleines Sterben ist und weh tut.

Heute ist das anders, weil nicht nur ein Lebensabschnitt zu Ende ging, sondern weil Neues, und für mich sehr Erfreuliches angefangen hat – und weil Wichtiges geblieben ist.

Loslassen und bewahren zugleich, Ende und Anfang.

Allerdings: Irgendwie lastet jetzt auf mir der Druck, ich müsse nun etwas ganz Bedeutsames und Kluges sagen – etwas zum Merken und Aufmerken – zum Abschied, der ja gar kein wirklicher Abschied ist. Denn es sind eben keine „letzten Worte“.      

Klar ist, ich bin nicht mehr die Pastorin von Thale, Warnstedt, Bad Suderode und Friedrichsbrunn – den Staffelstab im Pfarrbereich habe ich am Ostermontag weiter gegeben - aber ich bin und bleibe Pastorin und das gerne und bin dankbar für neue Herausforderungen und Aufgaben im Kirchenkreis und darüber hinaus – solange ich das kann und darf.

Normalerweise sitze ich unter den Bläser/innen – und das ist mir wichtig: Mitzublasen und vor allem Dazuzugehören. Ich möchte Teil einer Gemeinschaft sein, keine Einzelkämpferin. Aber heute gönne ich mir mal das Zuhören - dürfen.

Wendegedenken – Erinnerung an den Reformations-Abend vor 25 Jahren – damals wurden „Zeugnisse der Betroffenheit“ laut.

Ursprünglich wollte ich jetzt sagen, was mich heute betroffen macht. Dann ist mir noch rechtzeitig eingefallen, dass in unserem Land viel gejammert wird – und das meist auf sehr hohem Niveau. Das möchte ich nicht und habe auch keinen Grund dazu, vielmehr möchte ich am Ende einer langen Zeit im kirchlichen Dienst sagen, was mich dankbar macht.

Ich werde drei Kerzen der Dankbarkeit entzünden.

1. Die erste für das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen, ohne das sehr vieles nicht möglich wäre - in den Kirchengemeinden – in den Kommunen – in Verbänden und Vereinen … über Parteigrenzen hinweg. Menschen, die nicht sagen „Was kriege ich dafür?“ und vor allem nicht: „Da kann man doch nichts machen“, sondern die sagen: „Da kann ICH was machen“ und das auch tun – zusammen mit anderen. Die nicht nur meckern und alles von anderen erwarten.

Dass viele den Mut haben, sich einzusetzen und kostenlos Zeit und Kraft opfern, auch wenn andere darüber den Kopf schütteln oder sich lustig machen, das finde ich einfach toll!

Mein Freund Erich Schweidler – er war Pfarrer an der St.Petri-Gemeinde und erster Nachwendebürgermeister in Thale – hat mir 1976 ins Gästebuch geschrieben: „Wer den Mut hat, sich unbeliebt zu machen, wer unbequem ist,  bringt die Entwicklung weiter. Mitmacher sind zwar bequem, aber langweilig.“

Sich anstößig zu verhalten bringt Anstöße – bringt in Bewegung – bringt weiter – macht die Welt etwas heller und wärmer, so wie diese Kerze.

2. Die zweite Kerze der Dankbarkeit entzünde ich für meine guten Erfahrungen mit der Ökumene – nicht nur aber auch hier in Thale.  Wir haben in den vergangenen Jahren vieles ganz unkompliziert gemeinsam gemacht, manchmal im Kleinen, dann auch im Größeren. Ich erinnere an den Ökumenischen Kreiskirchentag 2008, an die vielen Mitwirkenden beim Harzfest und 2009 beim Sachsen-Anhalt-Tag hier in Thale, bei den vielen Harzer Sommertagen, die wir ökumenisch gestaltet haben.

Viel Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten konnte ich erleben bei den großen Ökumenischen Kirchentagen in Berlin und München, bei Katholikentagen und den großen evangelischen Kirchentagen und bei den Reformationstagen, die wir hier in Thale seit langem zusammen begehen – mit gemeinsamen fröhlichen Mahlzeiten.

Noch trennt uns evangelische und katholische Christen manches voneinander, doch es gibt viele Schritte aufeinander zu.  

Im September habe ich in Halberstadt an einer Ökumenischen Vesper teilgenommen aus Anlass des kirchlichen Festes für den Frieden und die Einheit der Kirche. Ein katholischer Geistlicher führte dazu aus:

Wichtig bleibt, dass der Glaube und das Mahl anderer Konfessionen nicht richtig oder falsch, sondern ehrlich, aber eben anders sind. Diese Erkenntnis ist eine tragfähige Grundlage für Gespräche, die keinen Einheitsbrei als Ergebnis wollen. Selbst wenn es immer noch nicht nach einer zeitnahen Lösung aussieht: "Der Mauerfall vor 25 Jahren kam auch unerwartet!"

Beifall bekam er für seinen Satz: „Freiheit muss ich mir NEHMEN.“  Die bekommen wir nicht auf einem Silbertablett serviert. Wenn das nicht hoffen lässt!

Dafür die zweite Kerze, bei der ich auch an den Satz denke, der mir schon in der DDR-Zeit wichtig geworden ist: „Es ist besser eine Kerze anzuzünden als über die Dunkelheit zu jammern.“

3. Die dritte Kerze ist deutlich größer als die beiden anderen und das ist natürlich kein Zufall. Ich bin in einem nichtkirchlichen Elternhaus aufgewachsen und habe als Jugendliche ersten Kontakt zu Kirche und Glauben gefunden. Dankbar bin ich für die Kraft des Glaubens – für die Einladung zur Freiheit und zum aufrechten Gang.

Ein Spruch von Theodor Storm, den ich von meinem Konfirmator gelernt habe, hat mich geprägt: „Der eine fragt: Was kommt danach? Der andre fragt nur: Ist es recht? Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht.“

Ich wollte FREI sein und habe im Glauben Freiheit gefunden und die Erkenntnis gewonnen: Gottesfurcht schützt gegen Menschenfurcht. Ich denke an Paulus in der Gefängniszelle: Er war gefesselt und predigte dennoch FREI das Evangelium. – Ich lebte in einem Staat, der seine Bürger/innen einsperren musste, damit sie blieben …

Diesen Zustand konnten wir beenden – friedlich – ohne Gewalt – mit vielen kleinen Kerzen, auch hier bei uns in Thale.

Dafür diese dritte große Kerze. Danke für alles!

Heute meine Verabschiedung aus dem offiziellen Dienst. Aber ich bin und ich bleibe Pastorin. Als Christin lebe ich in dem Wissen, ein Geschöpf zu sein – verantwortlich für mein Leben, für alles Tun und für alles Lassen – und angewiesen auf Gemeinschaft.  

Gott gibt dem Menschen viele Möglichkeiten und setzt ihm hilfreiche Grenzen. Wer sich vor Gott verantwortlich weiß, geht verantwortlich mit der Schöpfung, mit den Mitmenschen, mit sich selbst um.  

Jesus ist uns ein Vorbild: Er war unbequem und anstößig – hatte keine Angst vor den Mächtigen und Geduld mit den Unvollkommenen. Er blieb ehrlich und riskierte es, sich unbeliebt zu machen. Mit seinen Maßstäben lässt es sich leben: „Gott ist der Mensch, der uns menschlicher macht.“

Zum Schluss ein Satz vom „Ehrenbürger der Herzen“ unserer Stadt, dem katholischen Pfarrer Wolfgang Janotta, den ich beim Abschied von den Gemeindekirchenräten im März zitiert habe:

„Ich habe getan, was ich konnte. Den Rest muss der liebe Gott erledigen.“

Wird er – er hat ja Sie und Euch! J

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, als alle Skepsis und Vorsicht, bewahre unsere Herzen und Gedanken, unseren Mut und unsere Phantasie in Jesus Christus, unserem Herrn.       Amen.

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Angelika Zädow:

Liebe Ursula, liebe Gemeinde,

nach 38 Jahren in Thale und 40 Jahren im kirchlichen Dienst wirst Du, liebe Ursula, heute aus diesem Dienst verabschiedet. Dass Du daran lange geknabbert hast, ist kein Geheimnis. Und ja, das ist sicher schwer, nach einer solchen Zeit alles „sein“ zu lassen, was vier Jahrzehnte tagtäglich das Leben und die Zeit prägte, den Tagesrhythmus vorgab, Herz und Verstand beschäftigte: Lektoren und Organistinnen für die Gottesdienste und Amtshandlungen zu finden, die Gemeindebriefe zu gestalten und den Beiträgen „hinterher“ zu laufen, Besuche zu machen, die Anfragen des Kreiskirchenamtes zu bedienen, Gruppen und Kreise zu organisieren und noch viel mehr. Das alles hört nun auf nach 40 Jahren.

Diese Zahl spielt übrigens in der Bibel immer wieder eine Rolle: 40 Tage und Nächte dauerte die Sintflut, 40 Jahre dauerte der Zug des Volkes Israel durch die Wüste, Mose weilt 40 Tage auf dem Berg Sinai, um die Gebote zu empfangen, der Prophet Elia geht 40 Tage und Nächte zum Berg Horeb und Jesus fastet 40 Tage in der Wüste.

So unterschiedlich diese Erzählungen sind -  zwei Dinge verbinden sie. Erstens: In dieser Zeit begegnen sie Gott. Und ich wünsche Dir und Ihnen, liebe Gemeinde, dass Sie im Nachdenken über die gemeinsame Zeit im Pfarrbereich Thale auch sagen können: Da gab es Momente und Augenblicke der Gemeinschaft, in denen wir uns des Glaubens sicher waren oder wurden.

Zweitens: Nach dieser Zeit veränderte sich das Leben der Menschen. Dieser Zeitpunkt ist nun für Dich, und Ihre Gemeinden gekommen. Sie alle haben eine neue Pastorin, die nun mit Ihnen Leben und Zeit im Pfarrbereich Thale gestaltet und auf dem Weg des Glaubens weiter geht, anknüpft an das was war und ganz andere Wege wagt.

Und du, liebe Ursula, wagst ja bereits andere Wege, hilfst Gemeinden im Kirchenkreis über die Zeit von Vakanzen hinweg. Hältst Gottesdienste und Amtshandlungen, organisierst und berätst. Der Rhythmus Deiner Zeit ist nun anders. Aber die Zeit an sich bleibt. Du hast nun die Freiheit, sie nach Deinen Wünschen nach Deiner Lust woanders zu gestalten und ohne Amtspflichten. Von Herzen wünsche ich Dir, dass Du diese Freiheit nutzen und Deine Zeit füllen kannst.

So Gott will, noch 40 Jahre, Amen.

 

Liebe Ursula,

vor Gott und dieser Gemeinde endet hiermit Dein Dienst im Pfarrbereich Thale, der Dir übertragen war. Alle Zuständigkeiten und Pflichten liegen nicht mehr in Deinen Händen. Was Dich in Deiner Arbeit beschwert hat, was unfertig blieb oder Sorgen macht, legen wir in die Hände Gottes, der allein aus allem ein Ganzes zu machen vermag. Nichts soll Dich beschweren, nichts soll Dich betrüben. Gott wird Dich tragen und begleiten auf Deinem weiteren Lebensweg.

 

Gebet:

Gott, Du Anfang und Ende der Zeit: Wir danken Dir für den Dienst von Pastorin Ursula Meckel, für die Zeit, die sie hier gewirkt hat. Und bitten Dich: Segne unsere Schwester im Glauben. Stärke sie mit Deinem Wort. Schenke ihr Mut und Zuversicht. Das bitten wir Dich durch Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist unserem Leben einen neuen Anfang schenkt. Amen.

Segen

Gott segne dir den Blick zurück und den Schritt nach vorn. Er schenke dir eine Melodie, die dich wie ein Lachen durch den Tag begleitet und Menschen, die ihre Arme um dich legen wie ein wärmender Mantel. So segne dich…